Sprachliche Seuchen – Teil 1: Nachlässigkeiten

Sprachliche Seuchen – Teil 1: Nachlässigkeiten

Deutsch ist eine Sprache, mit der wir exakt und romantisch, präzise und prägnant formulieren können. Romantische Gedichte und Erzählungen sowie herausragende Wissenschafttexte bezeugen das.

Andererseits können wir unsere Sprache auch nachlässig, fehlerhaft und irreführend einsetzen. Auch hier lassen sich schnell Beweise für manipulative und fehlerhafte Texte finden. Meist reicht ein Blick in Online-Ausgaben von Tages- oder Wochenzeitungen etc.

Falsche Präpositionen

Diese Nachlässigkeit ist meist harmlos, weil der Sinn in der Regel erhalten bleibt. Trotzdem trägt es nicht zum Sprachgefühl der nachwachsenden Generationen bei, wenn Fehler zigfach verbreitet werden.

Erst kürzlich habe ich in einem Wirtschaftsmedium gelesen, dass sich jemand zu etwas entschieden hat. Richtig muss es entweder heißen: Ich entscheide mich für etwas, oder ich entschließe mich zu etwas.

Zugegeben, das sind Feinheiten. Trotzdem lohnt es sich genau zu sein. Schließlich ist der angeführte Fehler auch nur einer von vielen. Noch dazu werden diese Fehler von Journalisten begangen, einer Berufgruppe, deren Hauptwerkzeug die Sprache ist. Wenn diese Fachleute schon mit ihrem Werkzeug nur stümperhaft umgehen können, wen wundert es dann, dass es in anderen Berufs- und Bevölkerungsgruppen teilweise noch schlechter aussieht?

Mengenangaben oft ungenau

Kennen Sie das? Manchmal hat sich ein Verbrauch verdoppelt. Wenn dann darüber berichtet wird, heißt es schon mal: Der Verbrauch stieg um das Doppelte. Nein! Er stieg auf das Doppelte, sonst hätten wir die dreifache Menge verbraucht. Auch hier wird die Angabe allein durch die unpassende Präposition falsch. Und zwar richtig falsch!

Andere Nachlässigkeiten

Hinzu kommen immer öfter auch so unscharfe Begriffe wie zeitnah. In erster Linie edeutet das Wort zeitgemäß. Wenn ich eine Antwort oder Entscheidung schnell haben will, ist es zielführender, das auch deutlich zu sagen oder zu schreiben. Aus meiner Erfahrung kommt die Zuarbeit schneller, wenn wir schreiben: “Bitte antworten Sie bis zum 25. März”, als wenn wir um zeitnahe Anwort bitten. Und wenn nicht, können wir gleich am nächsten Tag nachhaken. Bei der Angabe “zeitnah” ist das nicht möglich, weil keiner definiert hat, wann das sein soll.

Es gibt noch so viele sprachliche Seuchen, zu denen man viel schreiben könnte. Ich denke, ich werde eine kleine Serie draus machen und immer mal wieder auf das Thema zurückkommen. Wenn Sie Anregungen und Wünsche in der Richtung haben, freue ich mich auf Ihre Hinweise.

Bleiben Sie gesund und lassen Sie sich von keinem Virus anstecken – weder physisch noch sprachlich.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.